Willi Rauch
Alle Berichte Aus der Praxis

Zwei Wochen abgeschaltet. Niemand hat gefragt.

Ein Werkzeug, das jeden Sonntag fünf Stunden rechnete. Ich habe nachgemessen, was es bringt, und es ausgebaut, obwohl Arbeit und Stolz drinhingen.

Ich hatte ein Werkzeug im Einsatz, das aus meinen Notizen eine Art Landkarte baut: Statt hunderte Dateien zu durchsuchen, sollte die KI in diese Karte schauen und schneller finden, was zusammengehört. Klingt vernünftig. Fand ich auch. Jeden Sonntag hat der Rechner dafür fünf bis sechs Stunden gerechnet.

Im August habe ich nachgemessen, was die Karte tatsächlich bringt. Antwort: nichts. Am 16. August war sie draußen.

Wie ich es gemessen habe

Drei Belege, die man nachzählen kann.

Erstens: Die Anweisung, die Karte zu benutzen, stand in einer Datei, die meine nächtlichen Prozesse gar nicht laden. Sie starten an einer anderen Stelle im Ordnerbaum und sehen die Regel nie. Der Graph, der die meiste Rechenzeit gefressen hat, hatte überhaupt keine Anweisung, die ihn abfragt.

Zweitens: Das Programm legt bestimmte Ordner an, sobald jemand die Karte wirklich abfragt. Diese Ordner waren nicht da. Nicht leer. Nicht vorhanden.

Drittens, und das ist der Beleg, der die Sache entschieden hat: Eine der beiden Karten war vom 2. bis zum 16. August veraltet. Vierzehn Tage. In der Zeit habe ich jeden Tag mit dem System gearbeitet, und es hat nichts gefehlt.

Der Denkfehler

Meine Überlegung war: Der starke Rechner produziert die Karte vor, das Ergebnis landet auf dem kleinen Server, dadurch spare ich Rechenaufwand bei der täglichen Arbeit. Klingt logisch. Funktioniert nur nicht. Eine Landkarte spart erst in dem Moment etwas, wo jemand hineinschaut, statt durchs Gelände zu laufen. Solange keiner hineinschaut, ist sie ein teures Bild.

Den gleichen Befund hatte ich am 13. Juli schon einmal, damals auf dem kleinen Server. Dort hatte ich zurückgebaut und es aufgeschrieben. Auf dem großen Rechner lief es weiter. Deshalb prüfe ich seitdem jeden Befund gegen alle Geräte, auf denen dasselbe Werkzeug läuft, und nicht nur gegen das, an dem ich gerade sitze.

Der Rückbau

Am 16. August raus: die Aufgabe im Zeitplan, die Hooks, das Paket, die Modelle, zwei Arbeitskopien, ein Skill. Ollama ist geblieben, das brauche ich für anderes. Dokumentiert mit Logzeilen und Vollzugskontrolle, samt der Bedingungen, unter denen ich das Werkzeug wieder einführen würde.

Fünf bis sechs Stunden Rechenzeit pro Woche, die seitdem für Arbeit zur Verfügung stehen, die tatsächlich jemand abfragt.

Die Frage, die ich seitdem stelle

Wenn ich mit einem Geschäftsführer über eingeführte KI-Tools rede, stelle ich eine einzige Frage. Auf „nutzt ihr das" sagen alle ja, deshalb frage ich anders:

Was passiert, wenn wir es zwei Wochen abschalten? Wer meldet sich?

Ein Tool, das keiner benutzt, fällt nicht dadurch auf, dass sich jemand beschwert. Es fällt gar nicht auf. Es läuft weiter, kostet Lizenzen, Rechenzeit und Aufmerksamkeit. Und steht in jeder Statusrunde als eingeführt in der Liste.

Etwas wieder abzuschaffen, das man selbst eingeführt hat, ist schwerer, als es einzuführen. Bei mir hing Arbeit drin und ein bisschen Stolz. Genau deshalb ist das der Ort, an dem ich in Unternehmen zuerst nachschaue. Und genau deshalb brauchen die meisten dafür jemanden von außen.

Der vollständige Rückbau ist mit Belegen, Logzeilen und Vollzugskontrolle in meiner Wissenssammlung dokumentiert.

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