Meine Sicherung läuft jede Nacht. Am 12. August habe ich sie geprüft, nicht zum ersten Mal, im Juli hatte ich das schon gemacht. Ein paar Dateien zurückholen, schauen ob sie ankommen, fertig.
Duplicati meldete: Wiederherstellung vollständig.
Ich habe trotzdem in den Zielordner geschaut. Der war leer.
Warum ich hingeschaut habe
Das ist der eigentliche Punkt dieser Geschichte. Der Test war bestanden. Das Programm hatte Erfolg gemeldet. Ich hätte an dieser Stelle aufhören können, und ich hätte danach ein sehr gutes Gefühl gehabt: Backup geprüft, läuft. Bis zu dem Tag, an dem die Platte kaputtgeht.
Eine Erfolgsmeldung ist keine Prüfung. Sie ist eine Behauptung über eine Prüfung.
Was passiert war
In dem Programm kann man die Dateien, die man zurückholen will, auf zwei Wegen auswählen: über die Suche oder über den Ordnerbaum. Ich hatte die Suche benutzt, weil ich wusste, wie die Datei heißt. Im Suchergebnis kann man ein Häkchen setzen. Das sieht aus wie eine Auswahl. Und ist keine. Die Auswahl greift nur im Ordnerbaum, dort wird die Zeile blau.
Das Programm hat also genau das getan, was ich ihm gesagt habe: nichts auswählen, nichts zurückholen, Erfolg melden. Aus seiner Sicht völlig korrekt.
Beim selben Durchgang habe ich eine zweite Falle gefunden: Der Sicherungslauf um 03:25 sichert den Stand vor den Morgenprozessen. Die Arbeit eines Tages ist also erst in der Folgenacht im Backup. Auch das meldet niemand. Es ist ja kein Fehler, es ist nur eine Reihenfolge, die keiner nachgerechnet hat.
Die Regel, die daraus geworden ist
Seitdem gilt für alle meine automatischen Prozesse derselbe Satz:
Der Nachweis ist immer die Ergebnisdatei. Nie der Rückgabewert, nie ein Logeintrag, nie ein grüner Haken.
Wenn ein Prozess läuft, muss er bei jedem Durchgang etwas hinterlassen, das nur entstehen kann, wenn er wirklich gearbeitet hat. Auch wenn es nichts zu tun gab, dann schreibt er eben: Lauf ohne Eingang, keine Aktion.
Dazu läuft jeden Morgen um sieben ein kleines Programm, das genau das prüft: Hat jeder Prozess der Nacht eine Ergebnisdatei hinterlassen, ist sie aktuell, ist sie plausibel. Es arbeitet bewusst ohne KI, ohne Anmeldung, ohne Guthaben. Denn ein Wächter, der an denselben Ursachen scheitern kann wie das, was er überwacht, ist kein Wächter.
Warum ich das aufschreibe
Wenn ich mit Unternehmen über ihre KI-Einführung rede, kommt irgendwann der Satz, dass man das getestet hat. Meistens stimmt das sogar. Die Frage ist bloß, was genau getestet wurde. Ob das Tool eine Antwort ausgibt, oder ob die Antwort brauchbar war. Ob der Prozess durchgelaufen ist, oder ob am Ende das Richtige stand.
Das klingt nach Erbsenzählerei. Ist es nicht. Ein Test, der die Erfolgsmeldung prüft, gibt Sicherheit ohne Grundlage. Und die ist schlimmer als gar keine, weil man danach aufhört hinzuschauen.
Bei mir waren es ein paar Dateien und ein Sonntagnachmittag. Bei einem Backup, das seit zwei Jahren jede Nacht Erfolg meldet und nie geprüft wurde, sieht die Rechnung anders aus.
Beide Fallen sind in meiner Werkzeugdokumentation festgehalten, mit Datum, Ursache und Gegenmaßnahme.